bedeutende Persönlichkeiten
Bonifatius
Bonifatius (* um 675 n. Chr. in Angelsachsen bei Exeter, + 05.04. 754 in der Nähe von Dokkum in Friesland) Bonifatius kam schon als Kind ins Kloster, wurde später selbst Lehrer im Kloster Exeter, schrieb eine erhaltene Grammatik und wollte mit ca. 40 Jahren Missionar werden. Er begab sich 718/719 auf seine erste Reise nach Rom, um von Papst Gregor II. die Beauftragung als Missionar für Germanien zu erhalten. Nach einem zweiten Aufenthalt in Friesland wendete er sich 720 nach Hessen gründete dort die Klöster Amöneburg (721) und Fritzlar (723 n. Chr. als Missionsstation und 732 n. Chr. als Klostergründung) und um 725 n. Chr. sein erstes Kloster in Thüringen: Ohrdruf. In seiner um 760 n. Chr. entstandenen Vita des Willibald steht im 6. Kapitel: "Da nun allmählich die Menge der Gläubigen zunahm und zur gleichen Zeit auch die Zahl der Prediger sich vervielfältigte, wurden mit einemmal auch Kirchen aufgerichtet, und es ergoß sich mannigfach die Predigt seiner Lehre. Auch wurde ein Kloster in einem Orte namens Orthorpf (Ohrdruf) errichtet, nachdem man vorher eine Vereinigung von Gottesknechten und Mönchen, die in hoher Heiligkeit lebten, zustande gebracht. Diese erwarben sich nach dem Beispiel der Apostel mit ihren eigenen Händen in emsiger Arbeit Lebensunterhalt und Kleidung." [1] Zehn Jahre wirkte Bonifatius in Hessen und Thüringen, dann wurde er 732 n. Chr. Erzbischof und erweiterte sein Aufgabengebiet, gründete 743 die Bistümer Büraburg, Würzburg und Erfurt, die er dann später als Erzbischof seinem Bistum Mainz eingliederte. Er hielt mehrere Synoden ab und starb im hohen Alter am 05.06. 754 bei Dokkum durch einen Überfall heidnischer Friesen. |
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[1] Reinhold Rau, Briefe des Bonifatius/ Willibalds Leben des Bonifatius, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 3. Unveränderte Auflage 1994 S. 497
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Johann Friedrich Krügelstein
Johann Friedrich Krügelstein, geb. 1738 in Gotha, gestorben 1813 in Ohrdruf kam 1761 als Landphysicus von Gotha nach Ohrdruf und wohnte am Bonifatiusplatz 3, dem damaligen Endleich. Johann Friedrich Krügelstein hatte 11 Kinder.
Fürst Heinrich August Wilhelm von Hohenlohe ernannte Krügelstein 1766 zu seinem Hofmedicus.
Er wurde vierter Bürgermeister (die Ohrdrufer Verfassung vor 1740 nennt sechs Bürgermeister und von 1740 an nur noch vier). Heute sind diese mit den Beigeordneten zu vergleichen
Seine besondere Sorge galt den Finanzen, dem Stadtwald und der Feuersicherheit.
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In den Jahren 1798, 1799 und 1800 erschien beim Voss Verlag in Leipzig J. F. Krügelsteins „Vollständiges System der Feuerpolizeywissenschaften". Mit diesem Buch schuf er ein Standardwerk, dass bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts Gültigkeit für die Feuerwehren in ganz Deutschland hatte. (In der Forschungsbibliothek Gotha sind die Bände 1 und 2 vorhanden).
Anlass für diese Buch war sicher auch der große Stadtbrand in seiner Heimatstadt Ohrdruf im Jahre 1753. Bei der Abhandlung der einzelnen Kapitel wird immer wieder Bezug auf die in Ohrdruf gesammelten Erfahrungen genommen. Die beim Wiederaufbau der Stadt gemachten Fehler werden schonungslos aufgedeckt.
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In den Hungerjahren zwischen 1771 und 1772 wirkte er unermüdlich als Arzt und unterstützte die Ärmsten, indem er eine Zeitschrift mit dem Titel „Beherzigung der Zeit" herausgab, deren Erträge restlos den Armen zur Verfügung gestellt werden sollten.
In seinem Testament bestimmte er, dass aus dem überschüssigen Geld eine Krankenanstalt gegründet werden sollte. 1817 wurde dieser Plan von seinem Sohn und Nachfolger Franz Christian Carl verwirklicht. Das erste Krankenhaus in Ohrdruf befand sich im Winkel 5 -7 und ist als Gebäude noch heute vorhanden.
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In der Zeit von 1788 bis 1792 archivierte Krügelstein mit seinen drei ältesten Söhnen das Ohrdrufer Archiv mit seinen Akten, Urkunden und Protokollen und legte sog. Repertorien an, welche noch heute vorhanden sind. Das historische Stadtarchiv von Ohrdruf ist in den meisten Beständen noch heute nach der Krügelsteinschen Ordnung inventarisiert.
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In den Kriegsjahren 1806 - 1813 war er erster Bürgermeister von Ohrdruf.
Krügelstein bezeichnet sich 1807 als adjungierter Amts- und Stadt-Physiker zu Ohrdruf,
1807 schrieb er das „Handbuch der allgemeinen Krankenpflege".
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1808 erlebte er den zweiten großen Stadtbrand von Ohrdruf, bei welchem das Rathaus und die Michaeliskirche zerstört wurden. Krügelstein soll, obwohl er durch einen Unfall gehbehindert war, einen großen Teil von Akten aus dem bereits brennenden Rathaus gerettet haben.
Krügelstein spendete Geld aus seinem Vermögen und verkaufte seine Gedichtsammlung zu Gunsten des Wiederaufbaus der Ohrdrufer St. Michaeliskirche.
1810 ernannte ihn der Herzog zum „herzoglichen Rat"
Am 26. Juli 1813 verstarb Johann Friedrich Krügelstein in Ohrdruf. Im Schul-programm von 1813 bezeichnet sein Sohn, der Direktor des Ohrdrufer Lyceums war, seinen Vater „als den Begründer seiner ganzen Bildung zum Menschen und Gelehrten".
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Krügelstein war neben seiner Arbeit als Arzt und Bürgermeister auch der Chronist jener Zeit.
Er schrieb Zeitereignisse auf, welche aber durch den Brand 1808 verloren gingen.
Nach einem Aufsatz, Lebensbilder aus der Familie Krügelstein von städtischen Archivar Karl Talk, hat Krügelstein einem Schreiber seine Gedanken zur Geschichte Ohrdufs diktiert, die zum Teil ebenfalls erhalten sind. So auch die Ratsannalen „Annales Magistratus Ohrdruffiensis" und die „Chronik für Ohrdruf", „Das Traumbuch" (so genannt weil er die Geschichte einem Bürgermeister erzählt, der ihm im Traum erschienen ist und der 100 Jahre früher gelebt hat).
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Seine Söhne und Enkel waren ebenfalls bekannte Ohrdrufer Persönlichkeiten und durch ihr Wirken der weiteren Entwicklung der Stadt sehr förderlich.
Johann Ernst Friedrich 1768-1834 war Hof- und Konsistorialrat zu Ohrdruf, Johann Benjamin Krügelstein 1772-1850
Johann Christian Friedrich 1774-1849, der dritte Sohn, studierte in Jena und Göttingen und erhielt seinen Dr. Grad am 22. Oktober 1795. Er war Kirchen- und Schulrat sowie Direktor des Lyzeums zu Ohrdruf seit 1798. Er gründete die Sonntagsschule, die spätere Fortbildungsschule und heutige Berufsschule. Eine Kleinkinderbewahranstalt und andere Jugendeinrichtungen können ebenfalls ihm zugeschrieben.
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Franz Christian Karl 1779-1864, der vierte Sohn studierte in Jena und Würzburg Medizin und erwarb 1808 den Dr. Grad. Er war eine Autorität im Bereich der Gerichtsmedizin und schrieb 74 medizinische Abhandlungen unter anderem die „Topografia medica Ordruffiensis" und hatte den Titel Medizinalrat zu Ohrdruf inne. Die Bezeichnung Medizinalrat wurde Ärzten meist erst nach jahrelanger beruflicher Tätigkeit verliehen. Daraus ist zu schließen, dass Krügelstein einen Großteil seines Lebens in Ohrdruf als Amts- und Stadtphysikus verbracht hatte. Sein Name ist auf das Engste mit dem ersten Krankenhaus in Ohrdruf verbunden.
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In der folgenden Generation war Ernst Gustav Eduard Krügelstein 1806-1890, ein Sohn von Johann Ernst Friedrich, Superintendent in Ohrdruf.
Mit Neuauflage der „Kügelsteinchronik" soll einer Persönlichkeit gedacht werden, die uneigennützig für das Wohl der Bevölkerung von Ohrdruf eintrat und der Stadt ein wertvolles kulturelles Erbe hinterlassen hat.
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Richard Muther
Albert Carl Richard Muther, einer der prominentesten deutschen Kunsthistoriker seiner Zeit, wurde am 25. Februar 1860, 12.00 Uhr mittags, als 1. Kind und 1. Sohn, des Ehepaares Ernst Carl Wilhelm Muther und Mathilde Muther, geb. Krügelstein, in Ohrdruf geboren. Richards Vater Ernst Carl Wilhelm Muther war Kaufmann und Geschäftsführer in der Stadt Ohrdruf. Muthers Mutter Mathilda war eine Enkelin vom Hof- und Konsistorialrat Johann Ernst Friedrich Krügelstein (1768-1834) und Tochter des Superintendenten Ernst Gustav Eduard Krügelstein (1806-1890). Damit war Richard Muther ein direkter Nachfahre des bekannten Ohrdrufer Bürgermeisters, Arztes und Chronisten Johann Friedrich Krügelstein (1738-1813).
Das Elternhaus und wahrscheinlich auch das Geburtshaus von Richard Muther stand in der Hospitalgasse 6 (heute Krügelsteinstraße).
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Von Ostern 1868 - 1875 besuchte Muther die Michaelisschule in Ohrdruf und wechselte dann in die Prima des Gymnasiums Ernestinum in Gotha. Beim Wechseln der Schulen attestierte der Ohrdrufer Schuldirektor dem damals 15-jährigen:
„Gut befähigt und musterhaft fleißig leistet er namentlich in der alten Sprache Vorzügliches, weniger in Mathematik und Physik; Benehmen und sittliches Verhalten musterhaft." Ab 1877 studierte Muther in Heidelberg. Nach einer Reise durch Italien setzte er 1881 sein Studium unter Anton Springer in Leipzig fort und schrieb seine Dissertation über den Künstler Anton Graff.
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Ab 1885 hatte er an der Alten Pinakothek München eine Stelle als Kurator inne. 1894 erschien das Buch „Geschichte der Malerei im 19. Jahrhundert" welches sofort in Englisch und einige andere Sprachen übersetzt wurde.
1899-1902 schrieb Muther die Geschichte der Malerei in fünf Bänden. Darin behandelte er unter anderem:
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Band 1: 568 Seiten.
Italien bis zum Ende der Renaissance. Malerei des Mittelalters. Piero della Francesca. Die Mailänder. Die Florentiner. Schönheitsbegriff der Klassik. Kreis um Tizian, Michelangelo. Raffael. Freskomalerei.
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Band 2: 590 Seiten.
Die Renaissance im Norden und die Barockzeit.
Renaissance in den Niederlanden. Elsass und Schwaben. Geist und Stil des Barock. Tintoretto. Caravaggio. Spanische Malerei. Kreis um Rubens. Frankreich bis 1650. Ludwig IV. Frans Hals Kreis. Rembrandt. Die holländischen Genre- und Landschaftsmaler.
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Band 3: 602 Seiten
18. und 19. Jahrhundert. Geist des Rokoko. Watteau. England in der Kunst. Boucher. Fragonard. Revolution und Empire. Goya. Frankreich bis 1870. Skandinavien, Schottland, Amerika. Deutschland und Österreich bis und seit 1880.
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Zum Freundeskreis von Richard Muther gehörten unter anderem die Schriftsteller Hugo von Hofmannsthal und Rainer Maria Rilke, der Komponist Richard Strauß, der dänische Literaturkritiker, Schriftsteller und Philosoph Georg Brandes sowie der Arzt und Tiefenpsychologe Sigmund Freud.
Muthers Bücher wurden in die bekannte und beliebte Reihe „Sammlung Göschen" als Bände 107 -111 aufgenommen. Er starb im Jahr 1909 in Wölfelsgrund bei Breslau. Bis heute ist das Werk Richard Muthers in der Kunstszene nicht vergessen, denn seine Bücher sind heute noch als Hörbuch auf CD erhältlich.
Professor Otto Stichling
Der Bildhauer Professor Otto Stichling wurde am 10. April 1866 in Ohrdruf geboren und besuchte die hiesige Bürgerschule. Auch sein beruflicher Werdegang ist eng mit seiner Heimatstadt verbunden, er absolvierte ein Lehre als Porzellanmaler bei der bekannten Porzellanmanufaktur Kestner & Comp. in Ohrdruf. Nach Abschluss dieser Lehre begann er eine neue Ausbildung. Er suchte sich eine Anstellung bei einem Bildhauer und besuchte die Königliche Kunstschule zu Berlin. Von 1886 bis 1893 ging er an die Akademische Hochschule für bildende Künste. Mit dieser Ausbildung arbeitete er dann in den Ateliers der Professoren Uphus und Eberlein. Von hier führte sein Weg an die Kunstschule in Altona wo er von 1907 bis 1910 als Lehrer tätig war. Die letzte Station seines bewegten aber viel zu kurzen Lebens war Berlin Charlottenburg wo er bis zu seinem Tode 1912 an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule tätig war. Zu den bekanntesten Arbeiten von Otto Stichling gehören: die Figur eines nackten Mädchens, welche von der Nationalgalerie erworben wurde, vier große Bronzefiguren auf dem Turm des Charlottenburger Rathauses, Brunnenfiguren, die auf dem Ehrenhof der Weltausstellung in Saint Louis ausgestellt waren sowie vier Bronzefiguren, die die Künste Plastik, Musik, Malerei und Dichtung symbolisieren. Des Weiteren stammen zahlreiche künstlerische Grabmale aus der Werkstatt des Künstlers. Stichling hat aber auch wesentliche Impulse auf dem Gebiet der Inneneinrichtung von Hotels und Wohnungen gegeben. Beispiele dafür: das Marmorrelief am Hotel Adlon und die Schaffung von Möbeln mit Bildhauerarbeiten und von künstlerisch gestalteten Beleuchtungskörpern.
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