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Stadtrecht

Ohrdruf und das Stadtrecht

Ohrdruf, die alte Bonifatiusstadt, konnte im Jahre 1998 das Fest ihres 650-jährigen Bestehens als Stadt feiern. 

In der der Stadtgründung vorangegangenen 624-jährigen Periode seit der urkundlichen Ersterwähnung durch Bonifatius hatte der Flecken Ohrdorf durch die von Lullus errichtete Petrikirche und das spätere Stift schon eine zentrale Bedeutung für Westthüringen.

Voraussetzung für die Ernennung Ohrdrufs zur Stadt war die geographische Lage. In der Zeit des ausgehenden 11. Jahrhunderts vollzogen sich im Deutschen Reich wichtige Wandlungen in Wirtschaft und Gesellschaft. Die Bevölkerung wuchs stark an. Die Intensivierung von Landwirtschaft, Handel und Handwerk waren Merkmale dieser Zeit. Für die Entstehung von Städten war vor allem die Bildung von Märkten eine Grundvoraussetzung. Ohrdruf lag an der Kreuzung großer Handelsstraßen, wo sich Marktwesen, Fuhrmannswesen und Handel entwickelten. Günstig für Ohrdruf wirkte sich auch das Vorhandensein der Burg sowie des Michaelisklosters und Petristiftes als geistliches Zentrum für das gesamte westliche Thüringen aus. Die politische Ordnung des Deutschen Reiches unterschied zwischen Reichsstädten, welche dem Kaiser direkt unterstanden, und landesherrlichen Städten, die einem bestimmten Landesherren gehörten. Ohrdruf gehörte den Grafen von Gleichen, deren Geschlecht einen großen Einfluß in Thüringen hatte. Schon 1099 erschien als erster Graf von Gleichen Erwin I. neben Sizzo von Käfernburg in einer Urkunde als Voigt von Ohrdruf. 1113 werden die Grafen von Gleichen mit der Burg Gleichen bei Wandersleben belehnt.

1170 unterschreibt Kaiser Barbarossa die Überlassung des Ohrdrufer Waldes für die Gründung von 4 Dörfern. Hunarth, Biesenrod, Gehrin und Sulga entstanden bei Ohrdruf. Ab 1346 regierten Graf Heinrich VI. und Graf Ernst VIII. von Gleichen, sie verliehen dem Marktflecken um 1348 das Stadtrecht.

Im 11. Jahrhundert gab es in Deutschland etwa 200 Städte, im 14. Jahrhundert etwa 4000. Diese mittelalterlichen Städte wiesen bestimmte Merkmale auf. Dazu gehörten unter anderen das Marktrecht, die Gerichtsbarkeit, die eigene Verwaltung durch einen Rat und eine geschlossene Stadtbefestigung.

2. Die Gerichtsbarkeit

Wappen der Grafen von Gleichen

Wappen der Grafen von Gleichen

war getrennt nach einer hohen und niedrigen Instanz. Die hohe Gerichtsbarkeit stand in Ohrdruf allein dem Grafen von Gleichen als hersfeldischem Vogt zu. Die Strafen, welche hier ausgesprochen wurden, waren entsprechend dem Vergehen erheblich härter. Schon die hochnotpeinlichen Untersuchungen wurden oft vom Scharfrichter unter Anwendung der Tortur durchgeführt.

Die niedrige Gerichtsbarkeit hatte die Vertretung der Bürger, der Stadtrat, inne. Im alten Stadtbuch von 1510 hieß es: „Auf die Gerichtszeit oder auf die Tage, wenn man Gericht zu halten pflegt, soll der Rat ganz teilnehmen und versammelt sein und ein jeder dazu sein Bestes raten.“

Verhandelt wurden kleinere Vergehen wie Beleidigungen oder üble Nachrede.

Das Strafmaß reichte von schriftlichen Erklärungen über Geldstrafen bis zum Prangerstehen, oder der Sünder kam in einen Korb über den Teich am Arnstädter Tor und wurde mehrmals untergetaucht.

Über das weibliche Geschlecht wurde auch die sogenannte Jungfernzucht auf dem Arnstädter Tor oder die Ausweisung auf Zeit als Strafe verhängt.

3. Die eigene Verwaltung

alte Bilder des Rathauses

Das 1546 erbaute und 1808 abgebrannte Rathaus

Gotisches Kellergewölbe unter dem Rathaus

Gotisches Kellergewölbe unter dem Rathaus

verkörpert sich im Stadtrat. Wie es zu der ersten städtischen Verfassung in Ohrdruf gekommen ist, läßt sich urkundlich direkt nicht nachweisen. Die ältesten noch im Wortlaut erhaltenen Rechtsstatuten Ohrdrufs stammen aus der Zeit vor der Reformation. Gräfin Walpurgis von Spiegelberg und Pyrmont, Gräfin von Gleichen unterschreibt 1570 eine neue Stadtverfassung Jus municipale (Stadtrecht). In diesen Statuten kann man unter anderem über die Pflichten der Bürgermeister folgendes lesen: „ Wenn man zwei Bürgermeister nach Gewohnheit erkoren und gemacht hat, so sollen die zwei Bürgermeister die Woche hindurch das, was zum Nutzen eines Flecks geschehen könnte, oder was ihnen zu handeln zukommt, tun. Wenn es aber nötig wäre, sollten sie holen lassen den Kämmerer und den Schösser (für Steuern und Abgaben zuständiger Beamter) desselben Jahres. Die vier sollen dann über die Notdurft und Handlungen eines Fleckes verhandeln und nach bestem Können entscheiden und dafür sorgen, daß ihnen künftighin von den anderen Ratskumpanen kein Vorwurf gemacht wird.“

Es kann davon ausgegangen werden, das sich die Entwicklung der Stadt nach der Erlangung der Stadtrechte langsam auf das linke Ohraufer verlagert hat. Da in der Urkunde aus dem Jahre 1348 noch von einem Rat der Borg Ohrdorf die Rede ist, kann man annehmen, daß dieser Rat zunächst seinen Sitz in der alten Wasserburg mit Fliehturm rechts der Ohra hatte.

Das älteste bauliche Zeugnis eines Ratsgebäudes am heutigen Marktplatz ist das gotische Kellergewölbe unter dem Rathaus Ohrdruf. Im „Alten Stadtbuch“ ist vermerkt: „1510 Sonnabend nach Kreuzes-Erfindung mittags 12.00 Uhr entstand Feuer, was bei Hans Both in der Langgasse auskam. Das Rathaus, die Schule, die Wohnung des Frühmeßners und 89 Häuser brannten ab.“

Ob es sich dabei um das 1. Ohrdrufer Rathaus handelt, ist heute nicht mehr belegbar. Im Jahre 1546 wurde von dem Ohrdrufer Baumeister Valentin Kirchhof ein dem Geschmack der Zeit entsprechendes Renaissance-Rathaus als neuer Sitz des Rates über den gotischen Kellergewölben errichtet. Auch dieser prächtige Bau, der die Würde des Rates eindrucksvoll repräsentierte, wurde im Jahr 1808 beim Großen Stadtbrand ein Raub der Flammen.

An seiner Stelle wurde das heutige, eher schlicht wirkende Rathaus errichtet.

4. Die Befestigung der Stadt

Das Waldtor als Teil der Stadtbefestigung

Das Waldtor als Teil der Stadtbefestigung

Der rechts der Ohra liegende Teil „Borg Ohrdorf“ war schon früh durch eine Wasserburg mit Fliehturm, Wall und doppelten Wassergräben gesichert. Allerdings hatte dieser ursprüngliche Teil der Befestigung zur Zeit der Stadtgründung durch den sinkenden Grundwasserspiegel und die damit im Zusammenhang stehende Versandung der Gräben wesentlich an Wehrhaftigkeit verloren. Die Ohrdrufer Stiftsherren nahmen dies im Jahre 1344 unter anderem zum Anlaß, ihren Sitz ins nahe Gotha zu verlegen. Mit der nach 1346 erfolgten Instandsetzung der Anlagen durch die Grafen von Gleichen wurden auch gleichzeitig die Straßen um den Bonifatiusplatz, Michaelisplatz und Marktplatz, das heutige Marktviertel, durch Graben und Tore gesichert. 

Der Bau der heute noch fast vollständig erhaltenen Stadtmauer begann erst  im Jahr 1574. Auslöser dieses Baus waren die anhaltenden Religionskriege nach der Reformation. Auch die Bewohner aus den umliegenden Dörfern, die ebenfalls von plündernden Horden heimgesucht wurden, beteiligten sich am Bau der Stadtbefestigung.

Die Grafen von Gleichen haben während ihrer etwa 350-jährigen Regentschaft die Stadt und die Grafschaft mit wohlwollender Hand regiert. In diese Epoche fallen in Ohrdruf der Bau der Michaeliskirche (1412-1422) und der Bau des Renaissance- Rathauses 1546. Von 1550 - 1575 entstand das Ohrdrufer Schloß Ehrenstein. Im Jahre 1590 verlegen die Grafen von Gleichen ihre Residenz von der Burg Gleichen nach Ohrdruf. Die beiden letzten Grafen, Philipp Ernst und Hans Ludwig, förderten die höhere Schule in Ohrdruf durch eine Stiftung. Dieses hochangesehene Lyzeum und spätere Gymnasium Gleichense besuchte auch Johann Sebastian Bach von 1695-1700.

Die Grafschaft Gleichen bestand seit dem 7. Jahrhundert aus der Herrschaft Tonna mit der alten Residenz der Kettenburg, der Grafschaft Obergleichen mit Ohrdruf als Residenzhauptstadt, den Dörfern Wechmar, Schwabhausen, Emleben, Pferdingsleben und Petriroda sowie der Grafschaft Untergleichen mit den Dörfern Güntersleben, Sülzenbrücken, Ingersleben und Stetten, der Burg Gleichen und dem Gut Ringhofen bei Mühlberg, der Grafschaften Spiegelberg und Pyrmont und den Herrschaften Blankenhain, Kranichfeld, Remda und Ehrenstein.

Im Verlaufe dieser erfolgreichen Entwicklung erlebte die Stadt auch immer wieder Rückschläge durch höhere Gewalt wie das Erdbeben im Jahre 1348 oder das große Wasser von 1508, die Stadtbrände der Jahre 1510, 1540, 1753 und 1808, Krankheiten wie die Pestepidemien des 14. und 17. Jahrhunderts. Aber auch Plünderung und Krieg gingen nicht spurlos an Ohrdruf vorüber.

Veranstaltungen

Termin

Titel: 7. Kindersachenflohmarkt
Startdatum: 9. September
Startzeit: 10:00
Stoppzeit: 13:00
Veranstalter: kinderflohmarkt@feuerwehr-ohrdruf.de
Beschreibung: 

Gemütlich stöbern und Schnäppchen machen von:

Herbst- und Winterkleidung; Babyausstattung; Umstandsbekleidung; Schuhe; Bücher & Spielzeug.

Für Kaffee und Kuchen ist gesorgt.

Achtung: Handtaschen, Beutel usw. sind im Verkaufsraum nicht gestattet.

15% des Verkaufserlöses kommen der Jugendfeuerwehr Ohrdruf zugute!!

01523 7758368

Auch Helfer sind gerne gesehen!!!

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