Bach in Ohrdruf
Ohrdruf ist unter allen Bachstädten die kleinste und doch kann sie neben dem fünfjährigen Aufenthalt des jungen Johann Sebastian auf eine über 170-jährige Bach-Tradition verweisen. Als Begründer der Ohrdrufer Bach-Familie gilt Johann Sebastian Bachs Bruder Johann Christoph, der 1690 die Organistenstelle an der Stadtkirche St. Michaelis antrat und dort als Musiker sehr geschätzt wurde.
Nach dem frühen Tod der Eltern in Eisenach kam Johann Sebastian Bach mit nur zehn Jahren zu seinem Bruder nach Ohrdruf. Durch den Altersunterschied von 14 Jahren wurde Johann Christoph nicht nur Johann Sebastians Vormund, sondern auch dessen erster Klavier-, Orgel- und Generalbasslehrer. Damit legte er das Fundament für die späteren schöpferischen Leistungen seines Bruders.
Bereits in der Ohrdrufer Zeit trat Johann Sebastian Bach musikalisch als Kurrende- und Chorsänger in Erscheinung. Durch die Umgänge der Kurrende in der Stadt trug er sogar zum Lebensunterhalt mit bei. Außerdem sind erste Orgelchoräle von ihm aus dieser Zeit bekannt, die man 1984 in der „Neumeistersammlung“ entdeckte.
Wenn man Bach in Ohrdruf feiert, dann feiert man einerseits das Musikgenie Johann Sebastian Bach, andererseits gedenkt und feiert man stets die Leistungen von Johann Christoph Bach und dessen Nachfahren für die Stadt Ohrdruf.
Dieser Rückschluss ist durchaus legitim und auch berechtigt, denn dieser Ohrdrufer Zweig der Bachfamilie hat von 1690-1864 in Ohrdruf gelebt und gearbeitet und in dieser Zeit Großes für die Stadt Ohrdruf, die Kirchenmusik und das Gemeinwohl der Heimatstadt geleistet.
So hatten Mitglieder der Familie Bach in Ohrdruf über fast 125 Jahre die Stelle des Organisten an der St. Michaeliskirche inne gehabt:
- Johann Christoph Bach der Ältere (* 1671, + 1721) Organist von: 1690-1721
- Johann Bernhard Bach (* 1700, + 1743) Organist von: 1721-1743
- Johann Andreas Bach (* 1713, + 1779) Organist von: 1744-1779
- Johann Christoph Georg Bach (* 1747, + 1814) Organist von: 1779-1814.
Andere Mitglieder der Familie hatten die Stelle des Kantors oder eines Diakons inne.
Ernst Carl Christian Bach (* 1785, + 1859) hat schließlich die Stadt über 20 Jahre als Superintendent mit geprägt, nach seinem Tode wurde die heutige Wilhelm-Bock-Straße in tiefer Dankbarkeit in „Bachstraße" umbenannt.
Die Söhne von Ernst Christian Bach, Friedrich Bernhard Christian (* 1819, + 1862) und Friedrich Anton August, waren Subrektor bzw. Oberlehrer der Ohrdrufer Schule und haben den Sportunterricht in Ohrdruf eingeführt und gefördert. Friedrich Anton August ist eines der Gründungsmitglieder des Sportvereins 1860 Ohrdruf.
Kaum jemand beachtet, das der Name Bach bereits 1564, also vor nunmehr fast genau 440 Jahren, in den Kirchenbüchern erwähnt wird.
Margarethe Bach aus Wechmar (dem Ausgangspunkt der großen Musikerfamilie in Thüringen) heiratete am 13. Februar 1564 in der St. Michaeliskirche Baltasar Holbein.






