Stadtmauer & Stadttore
Vermutlich nach der Erlangung des Stadtrechts 1348 unter den Grafen von Gleichen erhielt Ohrdruf einen Schutz vor Angriffen und Truppendurchzügen. Dieser bestand vermutlich das gesamte Spätmittelalter über aus Wällen, Gräben und Holztoren.
Ab 1574 erhielt Ohrdruf eine steinerne Stadtmauer. Der Bau fällt in die Zeit, die von der „Türkengefahr“ geprägt war, ausgelöst durch die Türkenkriege (z. B. Zweiter Österreichischer Türkenkrieg 1566–1568) und die Versuche des osmanischen Heers, Wien einzunehmen. Der Schmalkaldische Krieg 1546/47 und die „Grumbach’schen Händel“ in Gotha 1567 berührten die Region direkt. Darüber hinaus entstand zeitgleich Schloss Ehrenstein und Ohrdruf entwickelte sich zur Residenz.
Der Bau der Stadtmauer dauerte bis 1584, dabei wurden Steine aus dem Gräfenhainer Steinbruch, vom Goldberg sowie Seeberger Sandstein verwendet. Die die Stadt komplett umschließende Mauer wurde nur in der Mitte von der Ohra durchschnitten. Diese gegen Angriffe anfällige Stelle wurde durch eine Palisade geschützt. Im Osten wurde die Mauer von den das Schlossgelände umgebenden Teichen (heute die drei Teiche) abgelöst.
Die vier bis 5 Meter hohe Mauer trug den Anfordernissen der frühneuzeitlichen Kriegsführung Rechnung, da durch die Etablierung von Schusswaffen und die Verwendung von Kanonen keine hohen Türme mehr gebaut wurden, sondern flache und aus der Mauer hervortretende Befestigungselemente (Streichwehre) und Rondelle. Damit konnten die Gegner auch von der Seite oder hinterrücks angegriffen werden. Insgesamt besaß die Stadtmauer sechs Rondelle, die auch heute teilweise erhalten sind. Vor der gesamten Mauer verlief ein wasserloser Graben. Die bewohnten Gebiete außerhalb der Stadtmauer des Langen Leichs (Waldstraße) und des Kurzen Leichs (Lindenaustraße) wurden von hölzernen Palisaden umschlossen.
Sechs Stadttore, teilweise benannt nach den Richtungen, in die sie zeigten (Waldtor, Kohltor, Wölfiser Tor, Totentor, Schlosstor, Crawinkler Tor), ermöglichten den Zutritt in die Stadt. Für die Bewachung der Mauern und der Tore in Friedenszeiten waren die Bürger der Stadt verantwortlich. Im Kohltor war das Gefängnis der Stadt untergebracht.
Schloss Ehrenstein besaß im 17. Jh. eine eigene Befestigungsanlage mit der Zeit entsprechenden spitzwinkligen Bastionen und einem umlaufenden Wassergraben. Diese bestand bereits in der Mitte des 18. Jh. nicht mehr.
Der Nutzen der Mauer war im 19. Jh. für die Stadt aufgrund der verbesserten Kriegstechnik, veränderter Kriegsführung sowie der über die Mauern hinaus gewachsenen Stadt nicht mehr gegeben. Die Tore wurden in der ersten Hälfte des 19. Jh. abgerissen, die Mauern aber blieben erhalten.
Von der Schönheit und Wehrhaftigkeit der Tore liefern heute nur noch Schmucksteine des ehemaligen Kohltores, ein Relief am Standort des Waldtores sowie verschiedene Darstellungen auf historischen Bildern und Stadtplänen ein beredtes Zeugnis.







